Samstag, 24. Juni 2017

«Die Nacht der Nächte» oder «Einmal musst Du nach Biel»


«Die Nacht der Nächte» oder «Einmal musst Du nach Biel»

2008 war ich das erste Mal am Bieler und nun 2017 folgte die zweite Auflage. Nach meinem Afrikaabenteuer, „The Munga – the toughest race on earth“ vor sechs Wochen habe ich mich spontan entschieden nochmals nach Biel zu gehen. Biel ist immer noch einer der Klassiker unter den Ultraläufen. Obwohl in den vergangenen Jahren die Trail- und Ultra Läufe nur so aus dem Boden geschossen sind hat Biel seinen Reitz für viele behalten. Vor allem auch für Läufer aus dem Ausland und ganz speziell aus Deutschland.
Kari hat sich ohne gross zu Überlegen spontan bereit erklärt mich mit dem Fahrrad zu begleiten. Ich bin froh auch diesmal jemanden an meiner Seite zu haben. Vor neuen Jahren war es Sonja nun Kari der wegen einer Meniskusoperation im Moment nicht gross Laufen kann. Wir fahren frühzeitig am Nachmittag los und können ohne Stress unsere Startnummer abholen und noch eine Portion Pasta einnehmen. Wie üblich treffen wir noch ein paar Kollegen und der eine, Marcel Brenn, nimmt diesmal zum 23 Mal am Bieler teil. Auch ein Oberländer, Willy Fürst feiert diesmal sein Jubiläum. 50 mal gestartet. Wirklich eine tolle Leistung bei der ich mir aber ehrlich nicht vorstellen kann diese nachzuahmen. Geht auch schon gar nicht mehr altersbedingt.

Punkt 22 Uhr geht’s los. Die Laufbedingungen sind optimal. Vollmond, leicht bedeckt aber für die Läufer mit Nachttemperaturen nicht unter 17 Grad genial. Bis Lyss, bei km 23 muss ich ohne Begleitung laufen. Die Velo Coaches stossen erst da auf uns. Mir läuft es super und da denke ich noch, dass ich meine Zeit von vor neuen Jahren noch egalisieren oder vielleicht verbessern kann. Natürlich waren das wiedermal total falsche Einschätzungen. Das Rennen beginnt ja wirklich erst nach der Halbzeit.  Wir laufen locker weiter und es macht richtig Spass mit Unterhaltung durch die Nacht zu laufen.
Wie gesagt bis ca. km 40 läuft es mir wie geschmiert aber dann wird es doch etwas härter. Km 56  ich muss im Sanitätszelt kurz meine Wade massieren lassen. Stehe kurz vor einem Krampf. Das wäre auch das aus, noch 50 km mit Krämpfen weiterzulaufen ist sicher nicht das optimale.
Aber mit einem anderen Problem verziehen sich die Krämpfe plötzlich. Nun habe ich wie bei meinem letzten Comrades Marathon extreme Blasenprobleme. Ich muss aber kann nicht und mit jedem Schritt drückt es eines drauf.

Der Ho Chi Min Pfad (Emmendam), ein 10 km langes Stück der Emme entlang müssen wir von Kirchberg ohne die Velobegleitung hinter uns bringen. In Gerlafingen bei km 65 stosse ich wieder auf Kari und nun sind es nur noch 35 km bis ins Ziel. Diese haben es aber in sich. Ich merke auch, dass meine Beine noch nicht 100% erholt sind vom Munga Lauf und so lege ich ab und zu mal eine kurze Lauf/Geheinheit ein. Kari gönnt sich zwischendurch in einer Bäckerei einen warmen Kaffee. Soll eine Bäckerei gewesen sein wie damals zu Gotthelfs Zeiten.
  

Langsam geht’s via Grenchen, Bühren an der Are wieder auf Biel zu. 5 km vor Biel überholt mich Richard Tonallo. Er macht einen super Eindruck und fliegt nur so an mir vorbei. Sein Ziel unter 11 Stunden zu Laufen erreicht aber auch er nicht mehr.
Die letzten zwei Kilometer werde ich nochmals richtig gepusht von Kari und kann so mein Tempo nochmals erhöhen.
Auch dieses Mal ist es Gänsehaut Feeling nach 11 Stunden und 37 Minuten glücklich und zufrieden in Biel einzulaufen.
Es war auch diesmal wieder ein tolles Erlebnis die Nacht der Nächte.  Mit Karis Unterstützung ging es eigentlich auch sehr gut. Keine Kühe die einem Angst einflössen sollten und auch mit dem Licht gabs keine Probleme. Das war ja die grösste Sorge meiner lieben KollegInnen zuhause.

Vielleicht komme ich wiedermal nach Biel. In neun Jahren und vielleicht können mich dann Sonja und Kari begleiten. Wer weiss.



Gesamtrang:   Overall Männer  197 von 589 klassierten
Kategorie:       M55 Männer       13   von 62 klassierten     

Start Nummer:            898Zeit:                 11:37.08,7
Zeit 1 km:                   6.58

Zeit auf den einzelnen Etappen:
Start      38.0km   = 3:37.04 Gesamt / Kat 146. / 10.  Jahr 2008 (3:34.19)
Start      56.1km   = 5:51.14 Gesamt / Kat 191. / 13.  Jahr 2008 (5:34:28)             
Start      76.6km   = 8:37.47 Gesamt / Kat 182. / 11.  Jahr 2008 (8:04:13)   

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