Sonntag, 5. Juni 2016

Bhutan the last secret 2016

Bhutan «The last Secret» 25.5. - 5.6.2016
Mittwoch, 25.5.2016 Abflug mit Thai Airways um 13.30 Uhr Zürich Kloten. „Bhutan the last secret“ We are coming

Und einmal mehr, machen wir  (Kari Alpiger und ich) uns auf zu unserem nächsten Abenteuerlauf.  Nach einem letzten Kaffee zuhause fährt uns Patricia an den Flughafen. Das Check-In ist schnell erledigt und das Gepäck wird gleich durchgecheckt nach Paro. Also warten wir ein erstes Mal. Pünktlich fliegen wir dann ab Richtung Bangkok. Der Flug verläuft ruhig, nur ein paar Mal werden wir kurz durchgeschüttelt.

Welcome to Bhutan

Donnerstag, 26.5.
Geplante Ankunft in Bangkok um 05.30 Uhr.
Weiterflug mit Drukair, Bhutan um 09.00 Uhr nach Paro, Ankunft um 12.35 Uhr
Ein ¾ Stund früher als geplant landen wir in Bangkok.
Hier können wir fast vier Stunden Aufenthalten machen und weil wir uns nicht oder erst im letzten Moment um die Boardkarte kümmern kommen wir noch ganz kurz in Stress. Dann geht’s mit einem Zwischenhalt in Indien (kurz vor der Grenze zu Bhutan) weiter nach Paro. Anscheinend gibt es nur etwa 10 Piloten welche fähig sind nach Paro reinzufliegen. Das Tal ist nun wirklich nicht sehr breit und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass hier einige beim Landeanflug ins Schwitzen kommen.
Von Paro geht’s mit den ersten Läufern und Helfern dann weiter ins ca. ¾ Std. entfernte Thimptu. Stefan empfängt uns und nach einem kleinen Mittagslunch geht’s noch auf eine kleine Stadtbesichtigung zu Fuss.
Den Abschluss des Abends macht ein gemeinsames Nachtessen wo wir uns alle schon auf das bestehende Abenteuer einstimmen.  Um 21.30 Uhr ist dann Lichterlöschen worüber ich gar nicht so unglücklich bin.
Hier dreht die Welt noch anders...

Freitag, 27.5.
Übernachtung im Hotel, herrlich geschlafen, vor allem lange. Trotzdem schmerzt der Rücken und leichte Halsschmerzen machen sich bei mir bemerkbar. Nach einem einfachen Frühstück begeben wir uns auf eine geführte Stadttour wo wir kurz zusammengefasst ein paar Sehenswürdigkeiten sehen. Faszinierend war die oberhalb der Stadt gebaute Budah Statue. 100 Fuss hoch. Bauzeit von 2006 bis jetzt. Die Anlage ist noch nicht ganz fertig doch wird sie mal eine bedeutende Sehenswürdigkeit von Bhutan sein. Weiter besuchen wir einen kleinen Tiergarten. Eigentlich nichts Besonderes das einem aus den Socken haut. Die Attraktion ist aber das Bhutanesische Nationaltier. Genannt Takin. Es sieht etwas speziell aus und erinnert eher an ein frühzeitliches Urtier, halb Schwein, Kuh in Wahrheit ist es aber eine Antilopen Art. Als wir um ca. 14.30 Uhr vom Ausflug zurückkommen treffen gerade die letzten Läufer ein. Das anschliessende Check-In ist eine kurze Angelegenheit. Dann noch das obligate  Foto für die Homepage. So, das definitive packen des Rucksackes im Hotelzimmer hat dann nochmals eine Stunde gedauert. Objekt  A rein in Sack? Raus aus dem Sack. Braucht man  das wirklich oder ist es nur überflüssiger Ballast? Das wird sich dann  in den nächsten  Tagen leider erst zeigen. Nach einem ersten gemeinsamen Nachtessen mit allen Läufern und Helfern zusammen, wird der Abend dann schon sehr früh beendet. Alle sind wohl in Gedanken schon auf dem morgigen Weg ins erste Camp.
Da es in Bhutan relative früh dunkel wird (ca. 19.30 Uhr) verziehen  wir uns bereits mit den Hühnern ins Bett

 
Ready to go
Samstag, 28.5.
Transport von Thimphu zum 1. Camp beim Punakha Dzong / 1209 m.ü.M
Um 8.30 Uhr stehen alle wie abgemacht startbereit vor dem Hotel und wir beziehen unsere Busse. Nun geht’s los. Wir fahren von Thimphu los und unser erster Zwischenhalt ist auf dem Dochula-Pass auf  3050 Meter über Meer.  Die 108 Chorten,  genannt Druk Wangyal, ist ein beliebter Wallfahrtsort welcher im Gedenken an einen militärischen Sieg im Dezember 2003 erbaut wurden. Bei schönem Wetter würde man hier auf ein breites Panorama von 6 und 7 Tausender des Himalaya Gebirges schauen können. Leider ist es bewölkt und nur die Orientierungstafel zeigt uns wie es etwas aussehen könnte. Doch wir bekommen schon mal einen Vorgeschmack von der Umgebung und den Höhen welche zu absolvieren sein werden. Nach dem obligaten Fotostopp bei dem wir auch wieder die amerikanische Schauspielerin Kate Blanchette treffen geht es mit dem Bus weiter und zwar doch um einige Höhenmeter nun runter. Der nächste Stopp ist in einem ganz speziellen Ort, und zwar ist da eine Fruchtbarkeits Klinik. Anscheinend hat da mal ein Bhutanes dafür gesorgt, dass aus welchen Gründen auch immer, die Paare die ihn besucht haben nach einigen Monaten ein Kind erwarten konnten. Speziell ist vor allem, dass an allen Häusern in diesem Dorf an der Häuserfront Penise in allen Formen aufgemalt wurden. Na ja, schon etwas speziell. Wir haben uns dann nicht mehr gross darum gekümmert, sondern haben uns am tollen Buffet in einer sehr guten Touristenanlage die Bäuche vollgeschlagen. Quasi so auf Vorrat noch Kohlenhydrate gebunkert.
Am frühen Nachmittag kommen wir dann bei der Klosteranlage Punakha Dzong in Punakha an wo am nächsten Tag der Start sein wird. Die erste Klosterbesichtigung ist denn auch sehr spannend und interessant. Dieses Kloster ist gleichzeitig auch so was wie der Regierungssitz dieser Region und beherbergt auch die Verwaltung dieser Gegend. Zudem  war es die ehemalige Winterresidenz der bhutanischen Könige.
Ein paar wenige Autominuten davon entfernt ist dann auch unser Zeltplatz, unser erstes Camp. Alles ist bereits aufgestellt und je Zelt sind zwei Personen vorgesehen. Kari und ich richten uns für die erste Nacht ein. Vor dem Nachtessen gibt es noch das tägliche Briefing für die folgende erste Etappe.


Peter, Kari, Ursula Swiss Team
 
Auch heute werden wir um 19.45 Uhr bereits in  unseren Schlafsäcken liegen. Da wir die letzte Nacht beide sehr schlecht geschlafen haben gibt uns unser Freund Peter, er ist Arzt, noch jedem eine Schlaftablette. Wir sollen aber nur je eine halbe nehmen, mehr sei zuviel. Er ist Arzt und muss es ja wissen. Denkste um ca. 23 Uhr nehmen wir die zweite Hälfte, denn bis jetzt haben wir uns nur von der einen auf die andere Seite gedreht. Müsste eigentlich jetzt doch klappen und wir sollten in Dornröschenschlaf fallen. Denkste, nichts, so gegen 02 Uhr muss ich dann wohl eingeschlafen sein. Unglaublich, ist das wirklich die Nervosität oder spielt uns die neue Umgebung, die Höhenunterschiede und das Klima einen Streich?  Wir sollten jetzt zumindest scharf auf den ersten Start sein. Schauen wer mal.

Punakha Dzong, von hier aus ging es los 
 
Sonntag, 29.5.
Etappe 1  30,7 k 
Aufstieg +1263 m / Abstieg -729 m
Start  - CP 1.1 = 11.4km
CP 1.1 – CP 1.2 = 9.5 km
CP 1.2 – Finish = 9.8 km 
Tagwache ist um 05.30 Uhr. Jetzt noch ein gutes kräftiges Frühstück zu sich nehmen und dann geht’s bald los. Es ist relative Ruhig im Camp. Alle sind mit sich beschäftigt und müssen wohl mit der eigenen Nervosität kämpfen. Ich bin froh, dass es nun zum Start geht. Im Dzong werden wir wie Helden empfangen. Ich schätze 300 Schulkindern sind extra gekommen um uns auf die lange Reise zu schicken.  Vor dem Eingang des Dzong stellen wir uns den Schülern gegenüber auf und als die Nationalhymne gesungen wird läuft es einem eiskalt den Rücken runter und einige Tränchen können wir alle nicht verstecken. Spalier stehend auf der Zugangsbrücke schicken uns dann die vielen Jugendlichen um punkt 8 Uhr auf die Reise. Auch Pedro den Schulfreund von Ursula lernen wir noch kennen und werden ihn die nächsten Tage noch einige male treffen.
Das Feld zieht sich mit dem Startschuss gleich in die Länge und Peter übernimmt mit dem Griechen Archy gleich die Führung.  Schon nach dem ersten Tag wird man dann sagen können wer zum erweiterten Favoriten Kreis zählen wird. Ich hab mir für den Anfang vorgenommen nicht zu überpacen was natürlich wie immer nicht ganz leicht einzuhalten ist. Bei der ersten Attraktion, der längsten Hängebrücke von Bhutan, haben wir gerade 10 km hinter uns und ich bin mit einem Schnitt von 5.38 unterwegs. Definitive zu schnell aber bis jetzt ging es ja nur geradeaus und es gab noch nicht die kleinste Steigung. Was sich aber nach der Brücke dann schnell ändern sollte.
Die Landschaft erinnert hier etwa an das Tessin oder teilweise ans Engadin.
CP 1, Wasser auffüllen und weiter. Nun geht es aber doch ganz schön hoch und ich habe meinen Rhythmus noch gar nicht gefunden. Werde jetzt beim Aufstieg zum Kloster von Claudia überholt die super leicht an mir vorbei zieht. Irgendwie ist dieser Aufstieg gar nicht nach meinem Geschmack. Zudem drück plötzlich die Sonne durch und darauf war ich gar nicht gefasst. Aber jetzt heisst es halt beissen. Ist ja nicht unendlich der Aufstieg und schon bald nach ein paar Stunden laufe ich dann ins erste Etappenziel ein. Dieses ist auf 1756 m. ü. M. und das Kloster nennt sich Chorton Nyingpo.
Auf einer Wiese im Innenhof sind die Zelte bereits platziert und nach einer ersten kleinen Wäsche gibt’s wie in den folgenden Tagen dann immer gleich deftig viel und gut zu Essen. Danach steht genügend Zeit zum Ausruhen und Relaxen zur Verfügung.
Für den Abend war noch eine spezielle Kloster Zeremonie vorgesehen. Leider hat ein Stromausfall im ganzen  Tal dies verhindert. So schlüpfen wir dann mit den ersten Eindrücken der Startetappe in unsere Schlafsäcke. Leider ist auch diese Nacht nicht mit viel Schlaf zu rechnen, obwohl der eintretende Regen so schön ans Zelt prasselte und einem eigentlich in den Schlaf wiegen könnte.
 
Laufzeit:          4.01,06
Rang Overall:  12
Rang Männer:   8


Und rüber über die längste Hängebrücke von Bhutan
 
Montag, 30.5.
Etappe 2  28.7 km 
Aufstieg +2428 m / Abstieg -1725 m
Start  - CP 2.1 = 10.0km
CP 2.1 – CP 2.2 = 9.0 km
CP 2.2 – Finish = 9.7 km
Die für gestern Abend geplante Zeremonie mit den Mönchen konnten wir heute vor dem Start besuchen. Es war interessant mit ihnen zusammen im Kloster im Gebetsraum zu sitzen und ihren Gebeten zuzuhören. Zum Einsatz kamen auch noch Instrumente. Vorgängig hat Stefan Betzelt dem Lama des Kloster  ein Spende zugesichert damit sie sich wieder für eine gewisse Zeit eine Lehrkraft einstellen können. Es ist schon ganz spezielle wie diese Menschen zurückgezogen aber doch in gewisser Art offen das Leben in dieser Gemeinschaft verbringen.
Der heutige Start war bereits um 7.10 Uhr und für mich sollte es heute die schönste Etappe des ganzen Anlasses werden. Zum Start wurden uns noch eine Tabakmischung zum Einreiben an den Füssen abgegeben. Dies sollte uns schützen vor Lychis (Blutegel).
Da wir bereits auf 1756 m.ü.M waren ging es zuerst 5 km flach weiter und dann für die nächsten13 km nur noch hoch bis auf 3472 m.ü.M. Heute habe ich erstaunlicher weise sehr schnell meinen Rhythmus gefunden und ich bin zügig vorangekommen. Nach dem ersten Tag hat sich nun aber schon abgezeichnet welche Kollegen und Kolleginnen in den nächsten Tagen so die härtesten und engsten Konkurrenten werden würden. Trotzdem bin ich auch heute die gesamte Strecke grösstenteils alleine gelaufen.
Bei CP 1 war Geret platziert mit zwei Helfern und wir haben kurz miteinander gesprochen und herausgefunden, dass wir im Herbst zusammen in der Kalahari laufen werden. Seine beiden Helfer haben mich dann noch von einem Blutegel befreit. Hab es gar nicht gemerkt, dass ich angegriffen wurde. Es schmerzt auch  nicht aber es hört kaum auf zu bluten. Noch bis ins Ziel lief mir das Blut vom Arm runter.
Interessant war auch, dass wir beim Aufstieg mehreren kleinen Kuhherden begegnet sind die auch den gleichen Weg hatten wie wir. Quasi einen Alpaufzug. Natürlich ging das bei ihnen nicht so schnell wie bei uns und ich habe am anderen Tag als wir wieder gestartet sind gesehen wie sie uns entgegengekommen sind. Die Nacht haben die Hirten und die Herde somit auf dem Weg verbracht.
Die Landschaft war an diesem Tag ganz besonders eindrücklich. Da es oft geregnet hat und teilweise Nebel aufzog kam man sich vor wie im tropischen Urwald. Alles war von Bäumen, Sträuchern und hohem Gras und Farn bedeckt. Auf dem höchsten Punkt der Strecke habe ich zwei Mitkonkurrenten eingeholt und dann beim Abstieg gleich stehen gelassen. Es ist noch erstaunlich, Berghoch ist nicht unbedingt meine Stärke aber wenn es Dunhil geht kann ich Gas geben und einiges auf meine Laufkonkurenten wieder wettmachen.  Nic  und auch noch andere LäuferInnen haben mehrmals erwähnt, dass es sie  erstaunt und fast nervt, dass ich beim runterlaufen so stark bin. Vom höchsten Punkt dieser Etappe auf 3472 m.ü.M.  ging es dann die letzten rund 10 km nur noch runter bis ins Ziel. (2495 m. ü. M.) Irgendwie hab ich mich da auch verschätz und dachte die Etappe geht über 30 km. War richtig erstaunt, als wir dann nach 28.7 km im Ziel waren.
Diese Nacht haben wir in einem Bauernhaus übernachtet. Für mich lag sogar eine Matratze bereit und so konnte ich dann doch ein ganz bisschen besser Schlafen. Auch wenn es noch nicht das nötige Schlaf Pensum war.
Etappe zwei war geschafft. Es war eine ganz schöne Route, für mich war es sogar die Schönste von den sechs Etappen. Richtiges Trailruning.

Laufzeit:           5:53,20
Rang Overall:   9
Rang Männer:  7
 
Dienstag, 31.5.
Etappe 3  27.8 km 
Aufstieg +1968 m / Abstieg -824 m
Start  - CP 3.1 = 10.5km
CP 3.1 – CP 2.2 = 9.5 km
CP 3.2 – Finish = 7.8 km 
Die heutige Etappe sollte uns hoch zum Monastery Phajoding auf über 3600 m.ü.M führen. Gut gelaunt sind wir um 7.15 Uhr gestartet und das Feld hat sich gleich in die Länge gezogen. Die Spitzenleute liefen vorneweg und ich hab mich etwas zurückgehalten damit ich nicht Gefahr laufe mich gleich zu verausgaben. Die ersten 18 km waren dann auch eher flaches Terrain, etwas für die Sprinter sozusagen. Irgendwann konnte ich mich dann aber wieder Orientieren und da hab ich geckeckt, das wir von hinten nach Thimphtu laufen. Gemerkt hab ich dies als ich die übergrosse Budah Statue in der Ferne gesehen habe.  Von jetzt an aber war fertig mit Gemütlich. Die nächsten knapp 10 km ging es nur noch Bergauf und zwar bis zum Etappenziel dem Kloser Phajoding auf 3600 m. ü. M. Söhnke der Deutsche der auf den Malediven lebt, hat mich bereits am Anfang der Etappe eingeholt. Ich war erstaunt, wie schnell der abging und hab dann für mich entschieden, dass ich sein Tempo nicht mitgehe. Es hätte mich verblasen. Doch plötzlich im Aufstieg so 5 km vor dem Ziel bin ich in seine Nähe aufgelaufen. Ich blieb auf Abstand denn schneller hätte ich auch nicht gekonnt. Trotzdem verringerte sich unser Abstand von Meter zu Meter. Etwa  1.5 km vor dem Ziel hab ich ihn dann eingeholt und hab ihm angeboten, dass wir zusammen den Rest laufen und dann gemeinsam ins Ziel kommen. Irgendwie wäre es von mir auch nicht fair gewesen ihn so kurz vor Etappenende stehen zu lassen. Leider wollte er davon nichts wissen und er musste sich sogar noch hinsetzen und ausruhen. Die Höhe und sein Anfangstempo haben ihn dann doch überfordert. Er hat mich aufgefordert doch nun endlich loszulaufen. Er werde dann nachkommen. Ich bin dann Schlussendlich ca. 10 Min. vor ihm im Ziel eingelaufen. Es war im Nachhinein gesagt ein ganz tolles Erlebnis. Die Strecke war schon extrem herausfordern und der Höhenunterschied vom Start bis ins Ziel mit über 1000 Höhenmeter  war doch sehr happig. Dass ich im Gesamtklassement so gut mit der Spitze mithalten konnte hat mich doch etwas überrascht.
Kari und Peter waren bereits im Ziel, nur hatten beide Pech, dass ihr Gepäck noch nicht angekommen ist. So war ich sogar noch vor den beiden geputzt und gestrählt...wie man so schön sagt.
Traumhaft schön aber bitter kalt war es letzte Nacht
 
Heute Abend sollte ja noch ein weiteres Highlight dieser Reise folgen. Das Fussballspiel gegen die Mönche. Es ist mir dabei kalt den Rücken runter gelaufen, wie sich diese Männer und Jungs auf dieses Spiel vorbereitet haben. Keine Turnschuhe, nein in Latschen haben sie gegen uns gespielt. Das Spiel wurde auf zwei mal 15 Min. festgelegt. Als ich nach wenigen Minuten eingewechselt wurde, wurde mir erst bewusst, was es heisst in dieser Höher ein Fussballspiel zu bestreiten. Die Luft ist dünn und bei jedem Spurt den man hinlegt schlägt das Herz wie verrückt. Also mein letztes Spiel muss so ca. 20 oder mehr Jahre zurückliegen. Jedenfalls man glaubt es kaum hab ich sogar das 3:2 Führungstor für die Runners geschossen. Ein Glückstor aber Tor ist Tor...da gibt es nichts zu rütteln. Auch Kari und Peter haben eine sehr gute Figur gemacht. Sogar Ursula hat sich ins Getümmel gestürzt. Schlussendlich haben wir 5:3 gewonnen. Der abschliessende Handsshake war wie bei den Profis. Aber ich bin sicher wir haben den Mönchen eine sehr, sehr grosse Freude gemacht.
Die folgende Nacht war es Eiskalt. Irgendjemand hat dann noch einen kleinen Heizofen in unser Zimmer gebracht und weil die Steckdose genau in Karis und meiner Ecke war konnten wir diese Nacht trotzdem etwas Wärme geniessen, auch wenn es mit dem Schlafen wieder nicht geklappt hat.
Frank, er ist meistens am Ende des Feldes gelaufen und als letzter ins Etappenziel gekommen hatte noch zusätzlich Pech, das sein Gepäck nicht den Weg ins Ziel fand. Total erschöpft und ohne warme Kleidung war es natürlich für ihn doppelt hart. Morgens ist mir dann aufgefallen, dass seine Beine total von Sticken übersät waren. Ich wusste damals nicht, dass mir dass auch noch blühen würde.

Laufzeit:           4:28,1
Rang Overall:   9
Rang Männer:  6



Monastery Phajoding 3600 M.ü.M.
Mittwoch, 1.6.
Etappe 4  38.0 km 
Aufstieg +1928 m / Abstieg -3266 m
Start  - CP 4.1 = 11.8 km
CP 4.1 – CP 4.2 = 9.2 km
CP 4.2 – CP 4.3  = 7.8 km
CP 4.3 – Finish = 9.2 km  

Glücklich und zufriedene Mönche

Diese Etappe (Ziel auf 2280 m.ü.M)  sollte noch einige Herausforderungen bieten.  Vor allem aber viele Abstiegsmeter. Zum Abschied hat uns der Kloster Lama noch ein geweihtes Band geschenkt. Es sollte ein Dankeschön für uns Läufer sein für das Fussballspiel aber ich glaube auch einfach für die Begegnung mit ihnen. Es ist schon faszinierend wie dies Menschen hier oben abgeschieden von der näheren und weiteren Zivilisation Leben, Beten und Meditieren. Ihr Gastfreundschaft jedenfalls war sehr liebenswert und offen. Mit dem Startschuss ging es dann aber wieder los. Zuerst nochmals bis auf 3734 m hoch und dann langsam runter. Hatte zuerst etwas Mühe meinen Rhythmus zu finden aber plötzlich ist es wie von alleine gelaufen. Julia und Nic konnte ich bei der Abwärtspartie gleich locker distanzieren. Nur war leider mein Pech, dass ich nach ca.  5 km auf die Spitzengruppe mit Kari und Peter aufgelaufen bin. Nur, die hatten sich verlaufen und gut 20 Min. suchten wir dann nach dem richtigen Weg. Natürlich wurde ich dann auch von meinen beiden Konkurrenten wieder eingeholt. Pech!!! Aber als wir dann den richtigen Weg wieder gefunden haben bin ich ab wie ein Gestörter. Kari hat mir noch nachgerufen, dass ich doch nicht Hals und Kopf riskieren soll, aber ich wollte gleich wieder einen Abstand zwischen mir und meinen Konkurrenten herstellen. Auch diese Etappe bin ich dann wie die meisten wieder mehr oder weniger alleine gelaufen. Nachdem wir dann nach ca. 12 km auf einer Höhe von ca.2800 m waren ging es dann wieder lange hoch bis zum Pass auf 3500 m. Von hier dann aber nur noch bergab ins Etappenziel.
Die letzten km waren dann aber doch noch ganz schön herausfordern.  In diesem Abschnitt habe ich mir mit Julia wieder einen Fight geliefert. Erst war ich in Führung, auf dem Pass hat sie mich dann eingeholt, Bergab hab ich wieder das Zepter übernommen und auf den letzten Kilometern hat mich dann Julia wieder eingeholt und ich musste abhängen lassen.  Ja, muss ich eingestehen sie war doch ein mü besser als ich. War froh, dass ich die letzten zwei km über die Reisfelder noch gut ins Ziel geschafft habe.
Das nächst Highlight sollt es aber in sich haben. Nach vier Etappen genau die richtige Entspannungsform. Im Beherbergungsbauernhof hatte es nämlich ein Spa! Es ging vollgendermassen ab. Bis auf die Unterhosen ausziehen und dann wurde jeder einzeln von der Bäuerin mit kaltem Wasser abgeduscht und geschrubbt. Aller Dreck am Körper musste weg. Nochmals mit kaltem Wasser abspülen und dann rein in die Badewanne. Herrlich ca. 40° warmes Wasser. Es war total zum Entspannen. Der Knecht musste dann ab und zu mit heissen Steinen die Wassertemperatur wieder hochtreiben. Es war mega entspannend und genau das richtige nach vier Tagen rennen, frieren, schwitzen hoch- und runterklettern. Einfach mega cool. Die folgende Nacht habe ich dann auch das erste mal gut 6 Stunden durchgeschlafen. Ob es wohl am Warmen Bad lag?

Laufzeit:            6:30,13
Rang Overall:   10
Rang Männer:    6
 
Donnerstag, 2.6.
Etappe 5  53.5 km 
Aufstieg +2048 m / Abstieg -1745 m
Start  - CP 5.1 = 10.7 km
CP 5.1 – CP 2.2 = 10.3 km
CP 5.2 – CP 5.3  = 10.8 km
CP 5.3 – CP 5.4   = 10.0 km
CP 5.4 – Finish = 11.7 km 
Etappenziel Drukyal Dzong (2582m.ü.M.)
Heute folgte die Königsetappe mit über 53 km. Dem Profil entsprechend sollte es immer leicht hoch und runter gehen. Der Start erfolgte in zwei Gruppen. Die ersten 13 starteten um 7 Uhr der Rest bereits um 6 Uhr. Um sechs Uhr zu starten das geht ja eigentlich noch aber wenn man wie Frank erst in der Dunkelheit eingetroffen ist wird die Erholungszeit dann doch etwas knapp. Ich war jedenfalls froh in der stärkeren Gruppe um sieben Uhr loslaufen zu dürfen.  Langsam festigt sich aber auch in den vorderen Rängen das Klassement. Auf Paul (Kanadier) konnte ich bei der gestrigen Etappe einiges an Zeit gutmachen und lag sogar etwas 7 Min. vor ihm in der Rangliste. Er ist aber ein harter Kerl und ich glaub mit 52 Jahren halt doch noch 5 Jahre jünger als ich. Wir laufen los und wahrscheinlich bin ich doch etwas zu schnell gestartet. Anyway nach ca. 6 km hat mich Paul überholt und auch gleich stehen gelassen. Er wird heute ein super Rennen laufen und mir bis ins Ziel gut 45 Min. abnehmen. Die heutige Etappe ist wirklich nichts Besonderes. Meistens verläuft sie auf Teerstrassen und im grossen und ganzen ist es relative öde. Söhnke und Dirk hole ich auch irgendwann ein. Söhnkes «Hight» vom Vorvor Tag ist auch verpufft und er nimmt es sehr gemütlich. Irgendwann laufe ich auf Derek den Hongkong Chinesen auf und nachdem er mir etwa drei km gefolgt ist lasse ich ihn dann bei Paro stehen und laufe alleine weiter dem Flugplatz entlang. Irgendwann nach ca. 37 km geht’s dann wieder mal richtig bergauf und das dann bis fast in Ziel auf 2582 m.ü.M. im Drkyal Dzong. Das Feld war über den ganzen Tag hinweg ganz schön langezogen und ich hab immer mal wieder ein paar überholt welche eine Stunde vor mir gestartet sind.
Wie sich dann am späten Abend herausstellte, bin ich auf den letzten Metern der Strecke falsch gelaufen. Bzw. man hat mich falsch geführt. Anstatt links um den Zielberg rum bin ich direkt rechts hochgelaufen und hab so ca. 3-400 Meter abgekürzt. In der Nacht hat mich das dann noch extrem beschäftigt und ich musste es von meinem Gewissen her dem Stefan dann am Morgen noch melden. Er meinte ich solle kein Theater daraus machen und hat mir eine Zeitstrafe von 3 Min. gegeben. Somit war das Thema erledigt. Die letzten Läufer um Frank und Henriette kamen dann erst so gegen 20 Uhr ins Ziel. Das Nachtessen und das Brifing wurden sogar noch um eine gute Stunde dafür verschoben. Dafür bot sich in diesem paar Häuser grossen Nest ,die Möglichkeit Bier zu besorgen und somit mal was anderes zu trinken. Wasser ist ja gut aber irgendwann hat man es auch gesehen...
Aber irgendwie waren an diesem Abend auch alle zufrieden und happy. Bis hierhin haben es alle geschafft und mit der morgigen Etappe werden wir dann ins Endziel einlaufen. Ich glaube, dass jeder wusste, so kaputt er oder sie auch sein mochte, dass das letzte Stück bestimmt  noch zu schaffen wäre.
Diese Nacht verbrachten wir dann in einer neueren Hütte, ich glaube wir waren die ersten, die darin geschlafen haben. Nachdem Peter bei seiner Körper- und Kleiderwäsche noch den Kühen das Wasser weggestohlen hat gab es dann halt für uns nur eine einfache Katzenwäsche mit etwas kaltem Wasser und sonst gar nichts mehr. Auch in dieser Nacht war nicht gross mit Schlafen, zudem haben die Hunde wie gestört fast die ganze Nacht durchgebellt….puh!

Die Kleine grüsste mich freundlich
Laufzeit:            8:01,15
Rang Overall:    9
Rang Männer:   6
Freitag, 3.6.
Etappe 6   14.6 km 
Aufstieg +1205 m / Abstieg -691 m
Start  - CP 6.1 = 10.7 km
CP 6.1 – Finish = 3.9 km
 
Letzte Etappe. Schon? Wir geniessen nochmals alle ein gutes Frühstück mit Rührei, Toast und Kaffee.  Die ersten, das heisst es waren eigentlich die letzten vom Vorabend mussten bereits um 06.30 Uhr auf die Piste. Die zweite Gruppe dann um 7 Uhr und wir die letzte um 8 Uhr. So sollte sichergestellt werden, dass dann auch die letzten gegen 10 Uhr im Tigers Nest eintrafen. Zum Start und auf den ersten 5 km hatte ich extrem Mühe in die Gänge zu kommen. Bin am Ende des Feldes gelaufen. Die Balance über die Reisfelder forderte einem doch noch einiges an Konzentration ab. Dann aber gab es auch wieder tolle Singeltrails und langsam fand ich dann meinen Rhythmus. Am Fusse zum Aufstieg zum Tigers Nest konnte ich die ersten einholen und auf den letzten rund 4 km kam ich eigentlich sehr gut voran. Obwohl wir beim Aufstieg einige über uns kopfschüttelnde Touris (Inder und andere) überholen mussten. Jetzt zum letzten Aufstieg drückte sogar noch die Sonne durch und die machte sich doch ganz schön bemerkbar.
Paul habe ich dann auch noch eingeholt. Er hat mir aber schon vor dem Start mitgeteilt, dass er zusammen mit seiner Frau laufen werde und er keinen Finisherkampf mehr mit mir machen werde. Ehrlich gesagt, er hätte mich locker geschlagen. Ich hätte ihm im Wettkampf nicht mehr gefährlich werden können. Es war eine total nette Geste von ihm, als ich ihn und seine Frau dann eingeholt habe (sie hatten eine Std. Vorsprung auf mich beim Start) hat er mich noch symbolisch angestossen das ich die letzten paar km noch voll laufen soll.  Einmal mehr eine Geste die zeigt, dass wir uns alle gegenseitig respektieren, unterstützen und einander auch beistehen wenn es nötig sein sollte. Das ist es Schlussendlich auch warum ich solche Sachen mache. Die Freundschaft und der Respekt anderen gegenüber auch wenn man sich nur von ein paar Worten oder Gesten her kennt.
Und dann plötzlich lag es zum Greifen nahe das Ziel Taktshang «Tigers Nest». Es lag wunderschön und Majestätisch in der Felswand und ich wusste nicht ob ich weinen oder vor Freude einfach schneller laufen sollte. Bald habe ich es geschafft. Kari und Peter erwarteten mich schon. Noch einmal runter und dann die letzten Stufen hoch und ich stand auf der Plattform vor dem Kloster. Hier war auch die Ziellinie. Stolz aber vor allem Glücklich bin ich dann ins Ziel eingelaufen. Jeder einzelne Läufer und jede einzelne Läuferin wurden speziell gefeiert von den anderen und wir sind uns im Ziel alle Glücklich in die Arme gefallen. Für die einen war es das erste mal, dass sie eine solche Herausforderung gemeistert haben. Einige sind mit den letzten Kräften ins Ziel gelaufen oder besser gesagt gehumpelt. Aber geschafft haben es alle. Und das ist es schlussendlich was zählt. Den Sieg über sich selber. Zu zeigen, dass man unmögliches schaffen kann auch wenn es manchmal schier unmöglich scheint. Jeder hat diesen Moment für sich alleine genossen aber alle haben gemeinsam gewusst, dass jeder und jede grosses vollbracht hat.
Im Rückblick verdanke ich das erreicht auch meinen Mitmenschen mit denen ich im ganz normalen Alltag zusammen bin. Vor allem aber meiner Partnerin Monica möchte ich von Herzen danken, dass sie mich auch immer wieder unterstützt und motiviert hat zum Training zu gehen. Mir die Freiheit gelassen hat, das zu machen was ich am liebsten mache. Laufen in der freien Natur. Alleine oder mit Kollegen und Kolleginnen. Vielen Dank lieber Schatz, das Du mir diese Freiheit lässt.
Nachdem die Letzten das Ziel auch erreicht haben ging es auf dem Rückweg den ganzen Aufstieg natürlich wieder runter. Unterwegs gab es ein tolles Mittagessen und alle haben herzhaft zugeschlagen. Zum Schluss das obligate Foto vor dem Tigers Nest. 
Ziel Tigers Nest
Abschiedsfeier und Siegerehrung
Am Fusse des Tigers Nest haben uns dann die Busse wieder in Empfang genommen und es ging zum Hotel. Nicht schlecht gestaunt haben wir als wir die Hotel Anlage gesehen haben welche wir noch vor 3 Tagen am Lauf passiert haben. Fünf Sterne mässig, super. Ein Bett für mich, eins für Kari. Die ganze Familie hätte in diesem Zimmer Platz gehabt. Unter die Dusche und Körperpflege war angesagt. Herrlich, warmes und fliessendes Wasser, unglaublich auch eine echte Schiisi war da. Nachdem wir uns rausgeputzt haben wollte wir nach Paro um noch die letzten Souvenirs zu kaufen. Per Autostopp (uns hat dann aber der Staff aufgelesen) sind wir ins etwas 10 Minuten entfernte Paro gefahren. Souvenirshop das stellt man sich bei uns dann halt doch etwas anders vor als hier am anderen Ende der Welt. Jedenfalls haben wir ein paar Schals gekauft für die Girls bzw. Frauen. Für die Jungs Dario und Nil hatten wir noch nichts. Per Taxi ging es dann wieder zurück ins Hotel.
Um 17 Uhr war der Festakt angesagt. Einheimische Tanzvorführungen, war ganz interessant. Auch Pedro ist nochmals aufgetaucht. Leider habe ich es dann aber verpasst nach seiner E-Mail zu fragen. Werde aber via Ursula schon noch dazu kommen. Dann wurde zum zweiten Teil geladen. Der höchste Richter des Landes, Herr Sonam Tobgye hat eine kurze Ansprache gehalten und allen eine Bhutanesische Verfassung überreicht an der er massgeblich bei der Entstehung beteiligt war. Ein mega tolles Souvenir aus diesem wunderschönen Land. Stefan hat dann die Siegerehrung vorgenommen und jeder wurde persönlich aufgerufen und von ihm ausgezeichnet. Die ersten drei dann sogar vom Minister. Und dann war es soweit, das Buffet wurde eröffnet. Wir haben alle herzhaft zugelangt und ich glaube fest, dass sich die Küche doch bezüglich Portionengrösse etwas verschätz hat. Es war super gut.
So gegen 23 Uhr war dann aber plötzlich Nachtruhe angesagt und alle sind in ihre Zimmer davon geschlichen. Herrlich in diesem Bett zu schlafen. Leider sollte für mich die Nacht nicht mehr so angenehm werden. Drei, viermal musste ich die Toilette aufsuchen. Die ganze Anspannung hat sich nun bemerkbar gemacht. Auch den folgenden Tag und die ganze Heimreise war ich Gewehr bei Fuss bzw. bei der Toilette.

Laufzeit:              2:33,30
Rang Overall:      11
Rang Männer:       7

SchlussklassementLaufzeit:               31:27,35
Rang Overall:        9
Rang Männer:       6
Tigers Nest die zwei Oberländer haben es geschafft
Samstag, 4.6.
Abreise Paro 18 Uhr
Um 8 Uhr früh haben wir uns dann ans Frühstücksbuffet begeben und nochmals ausgiebig zugelangt. Mit den Kollegen die letzten Tage nochmals revue passieren lassen und dann hiess es auch schon von den ersten Abschied nehmen. Ursula hat ihren Aufenthalt hier in Bhutan noch um ein paar Tage verlängert und wollte dann in Bangkok nochmals etwas Relaxen.
Zu zehnt haben wir den Tag mit einer organisierten Führung verbracht. Nochmals ein Kloster besichtigen, dann das Nationalmuseum und zum Schluss das imposante Kloster in Paro an dem wir auch auf der grossen Etappe vorbeigelaufen sind. Mittagessen gabs in einem typischen Bhutan Restaurant aber hauptsächlich ohne mich, da mein Magen noch etwas empfindlich für feste Nahrungsaufnahme war. Zum Schluss nochmals letzte Souvenirs posten und auch für die Jungs gab’s dann halt einen Schal.
Und dann hiess es auf zum Flughafen und auch noch von den letzten Abschied nehmen. Pünktlich mit 40 Min. Verspähtung sind wir dann gestartet. Mit einem Gefühl der Vorfreude auf zuhause aber auch etwas traurig nun dieses wunderbare Land verlassen zu müssen. Wir haben tolle und liebe Menschen getroffen. Wir können nur hoffen, dass sie in den nächsten Jahren ganz viel von ihrem jetzigen Leben, ihren Anschauungen und ihren Lebenseinstellungen bewahren können.


Swiss Team bei der Siegerehrung
Sonntag, 5.6.
Abreise Bangkok um 01.05 / Ankunft Zürich 07.50 Uhr. Fahrplan stimmte genau und am Flughafen haben uns Patricia und Sina abgeholt. Im Fahrstuhl zum Parkhaus meinten beide, dass es hier drinn enorm stinkt….könnte sein, dass das unser Gepäck oder gar wir gewesen sind. Aber das lässt sich alles Abwaschen. Ich hoffe aber, dass sich die guten Gedanken und das Erlebte noch über Jahre in unseren Herzen festhält und in Erinnerung bleibt.
Danke Bhutan – es war ein wunderschönes Erlebnis.
 
 

 
 

 

Sonntag, 1. November 2015

Kalaharie Augrabies extrem Marathon 2015

16. Kalahari Augrabies Extrem Marathon
(22.10. - 1.11.2015)

Kategorie:              Männer und Frauen 

Start Nummer:        360 

Rang Overall:         21. Rang von 70 gestarteten und total 54 qualifizierten (M+F)

Rang Männer:        15. Rang  von 55 gestarteten und total 39 qualifizierten (M) 

Total Zeit:               22:58,40 Std.
Total km                   158 km (+23 km von abgebrochener Etappe) 

      Etappe 1:         04:01,15       km 25           Rang Overall  38     Tagesrang 38

      Etappe 2:         05:41,20       km 35           Rang Overall  28     Tagesrang 21

      Etappe 3:         06:08:15       km 40           Rang Overall   27    Tagesrang 22

      Etappe 4:                             km 81

      Etappe 5:         06:05,35       km 47           Rang Overall   21    Tagesrang 12

      Etappe 6:         01:02,15       km 11           Rang Overall  21     Tagesrang 27


I did it!
Swiss Team
Samstag, 24.10.
1. Etappe, Start 09.00 Uhr
25 km / 2 Check Points (CP) 


Ich beginne mit dem Ende der ersten Etappe. Wo bin ich? So eine Hitze habe ich noch nie erlebt. Da wird aber noch einiges auf mich zukommen. Bin mal gespannt.
Punkt neuen Uhr fällt der Startschuss durch Etienne den Renndirektor. Davor gab es ein paar kurze Ansprachen von wichtigen Leuten und endlich können wir uns auf die Piste machen. Nach ca. 1 km kommt bereits ein erstes grösseres Wasserloch. Ich zirkle mich so darum herum damit ich auch ja keine nassen Füsse bekomme. Man kennt das ja von den Bergläufen. Einmal nass unten durch und dann wird’s unangenehm. Ich schaffe es tatsächlich trocken weiter zu laufen. Aber kurze Zeit später kommt der nächste  Tümpel. Jetzt ist es mir doch zu blöd. Da gibt es keinen Ausweg und ich muss halt voll da durch. Wie sich später zeigen wird sind die Füsse aber bei dieser Hitze sehr schnell wieder trocken und somit keine Gefahr für meine empfindlichen Füsschen...
Ich versuche mich möglichst langsam fortzubewegen. Ja nicht gleich mit Volldampf auf die Strecke und nach ca. 5 km finde ich auch langsam meinen  Rhythmus. Der ist zwar nicht so schnell wie gewohnt dafür aber konstant. Was sehe ich den da linkerhand von mir? In ca. 200 Meter Entfernung, eine Gruppe Giraffen. Sofort anhalten und ein Foto schiessen. Wer weiss ob ich nochmals diese stolzen Tiere zu Gesicht bekomme. Am ersten CP fülle ich meine Wasserflaschen auf und dann geht’s gemütlich weiter. Es ist extrem heiss. Nach Rückmeldungen um die 48° C. Jetzt nur nicht überanstrengen, es stehen noch einige Etappen an und ich muss nicht unbedingt vorne dabei sein. Dafür hat es andere die um einiges besser und auch jünger sind als ich. Nach gut 4 Stunden laufe ich ins erste Etappenziel ein. Zum Schluss hatte ich extrem Angst, dass meine Wasserreserven nicht ausreichen würden. Das wäre dann sehr schnell das Ende der Träume gewesen. Puh, das war mega hart und ich bin noch nie in einer solchen Bruthitze gelaufen. Im Camp angekommen geht es gleich an die Regeneration. Proteinshake und viel Wasser mit Salz und Mineralien. Das Nachtessen müssen wir selber machen. Dafür sind schlussendlich die zum Startbeginn gemessenen 11 kg Gewicht meines Rucksackes verantwortlich. (5 kg Essen für 7 Tage, Schlafsack und diverses vorgeschriebenes Material. (Notfallpackung, Salben, Ersatzkleidung, etc.)
Am Start sind auch zwei Österreicher, Josef und Ambros Vor allem Ambros ist ein sehr erfahrener Läufer, hat er doch schon mehrere grössere Events bestritten. Unter anderem einen 85 Tage Lauf von der Obersten Spitze in Dänemark bis nach Gibraltar. Das macht sage und Schreibe rund 4000 km. Da kann ich nur den Hut ziehen. Sein Freund Josef, ein Bauunternehmer aus Wien ist auch ein sehr guter Läufer und hat den KAEM vor zwei Jahren schon gefinisht. Leider muss Josef aber bereits am ersten Tag beim CP1 aufgeben. Wie ich später erfahre haben 5 Läufer und Läuferinnen den ersten Tag nicht überstanden. Eine Läuferin, die Siegerin von 2012 musste sogar mehrere Tage in Spitalpflege da sie einen totalen Zusammenbruch hatte. Ich bin auf sie nach ca. 12 km aufgelaufen und wenige Minuten später war auch schon ein Arzt anwesend. Soviel ich am Ende der Veranstaltung gehört habe ist sie wieder gesund und hat keinen Schaden davon getragen. Die Hitze fordert wirklich ihre Opfer. Ambros kommt ins Ziel und im Zelt wird er plötzlich von gewaltigen Beinkrämpfen geplagt. Die sind so schlimm, dass wir den Rennarzt rufen müssen und er ihm eine Fusion stecken muss. Hoffe sehr für ihn, dass er sich davon gut erholt und morgen keine Probleme mehr hat. Die folgenden Stunden bis die Sonne untergeht verbringen wir mit Verpflegen, Gepäck  richten und tollen Gesprächen mit anderen Läufern. Unterhalte mich mit zwei Jungs aus Pretoria die ein Projekt in Soweto unterstützen indem sie junge Menschen zum Laufen animieren. Werde auch von Ihnen gleich zum Soweto Marathon eingeladen im 2016. Ein historischer Lauf der jüngeren Geschichte von South Africa, Nelson Mandela`s und dem ANC.
Zufrieden aber etwas unruhig schlafe ich dann endlich ein. Bald steht ja schon die nächste Etappe an.

Zeit 4 Std. 15 Min.
Gesamtrangliste nach Tag 1 / Rang 38

 
Roade book
Sonntag, 25.10.
2. Etappe, gestaffelter Start ab 06.30 bis 08.00. Meine Startzeit 09.00 Uhr
34 km / 4 Check Points (CP)
 
Habe höllischen Respekt vor der zweiten Etappe wenn ich an den gestrigen schweisstreibenden Tag zurück denke. Die Rennleitung informiert uns vorgängig, dass die Strecke leicht abgeändert wurde da ein Valley mit Fahrzeugen nicht befahren werden kann. Im Notfall, wenn ein Läufer gesundheitliche Probleme haben sollte, wäre dann keine Hilfe möglich. Die Distanz aber bleibt gleich. Die ersten km fühle ich mich sehr gut. Leicht felsiges und schwer passierbares Gelände, doch ich komme gut voran. Swiss Boy`s laufen ja manchmal auch in den Schweizer Bergen und da fühle ich mich wirklich gut. Da wir oft in ausgetrockneten Bachbetten laufen muss ich natürlich jeweils bei den CP`s meine Schuhe vom Sand befreien. Kostet etwas Zeit, ist aber  nicht tragisch. Hauptsache nicht schon in den ersten Tagen grössere Blasen einfangen. Die möchte ich mir wirklich erst für den Schluss aufsparen.  Gegenüber dem gestrigen Tag ist es mit 38°C fast schon etwas kühl. Es fallen sogar 10-12 Regentropfen. Man kann sagen richtig angenehmen. In der Nacht davor hat es sogar gewittert nur ohne Regen. Hoffentlich beleibt es so wie es im Moment ist.
Aber eben zu früh gefreut. Die letzten km sind wir auf einer einfachen und gut begehbaren Strasse gelaufen. Das ändert sich aber nun schlagartig. Links ab und in ein  Valley. Shit, es wird immer wärmer und das laufen im Sand wir nicht einfacher man kann sagen, sogar mega anstrengend. So geht es ca. 1 ½ Std. bis zum CP3. Aber im Moment fühle ich mich noch ganz gut und kann es sogar geniessen. Auf den Boden der Realität komme ich als mich mein Zimmerpartner der Vortage des Rennens überholt. Der ist doch eine halbe Stunde nach mir gestartet. Hey Anthony das geht doch nicht. Du bis nur ein Jahr jünger als ich. Kannst mich doch nicht einfach so stehen lassen. Abwarten denke ich, abgerechnet wird am letzten Tag!
Wie es so ist, meine Krise kommt genau jetzt. Muss auf Toilette (Busch) und die etwas spezielle Ernährung bewirken bei mir leichte Verstopfungen. Na ja besser als anders rum, dann bist du nämlich ganz schnell aus dem Rennen wenn Du alle Mineralien und Salze  nicht mehr im Körper halten kannst.
Die nächsten km verlaufen wieder in einem Flussbett mit einigen Felsen als Abwechslung und die Sonne knallt jetzt wieder ganz schön runter. Laufe jetzt wie so oft alleine, merke aber, dass ca. 200 Meter hinter mir ein Läufer langsam aufläuft. Das darf doch wohl nicht sein. Ich gebe nochmals Vollgas die letzten zwei km und laufe dann doch etwas ausgepowert ins zweite Etappenziel ein.
Dieses ist sehr schön gelegen am Oranje River und das Bad im Fluss verschafft etwas Abkühlung. Auf der anderen Uferseite ist Namibia. Der Oranje River verläuft zu einem Grossteil an der Grenze von Südafrika zu Namibia. Und was sehen meine von der Sonne geschundenen Augen? Ein Massageteam ist im Lager. Hab ich am ersten Tag gar nicht mitbekommen. Drei Girls und ein Junge massieren (gegen Bezahlung von 200 Rand / 15 CHF) die bereits etwas geschundenen Läuferbeine. Dies wird auch in den nächsten Tagen so sein. Ich bewundere die 4 Personen. Bei drückender Hitze massieren sie den meisten Läufern eine halbe Stunde Rücken und Beine. Wow. Super man fühlt sich wie neu geboren. Dann folgt wieder das übliche Prozedere das jeder Läufer für sich selber absolviert. Verpflegung, Regeneration, Vorbereitung für den nächsten Tag und vor allem viel Ausruhen. Heute sind nochmals sieben Läufer wegen der grossen Hitze und anderen Problemen ausgefallen. Mir tut es unendlich Leid für diese Runner`s da ich ja sehr genau weiss wie gross die Anstrengungen und die Entbehrlichkeit der letzten Monate für diesen Lauf waren. Aber jeder Läufer kennt ja vom ersten Moment an das Risiko auf das er sich bei einer solchen Expedition einlässt. Auch Ambros hat sich gut erholt von seiner Fusion und ist heute gut durchgelaufen.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommt noch ein Highlight des Tages auf uns zu. Es ist die Verteilung der E-Mails. Einige Leute haben mir geschrieben, das freut einem natürlich sehr und gibt auch wieder verlorene Energie und Motivation zurück. Zufrieden suche ich mir ein Schlafplätzchen wenige Meter von der Zeltstadt entfernt. Es ist so warm dass man locker unter freiem Himmel schlafen kann. In den Sternenhimmel zu schauen ist zudem ein wunderschönes Feeling. Wann kann man das schon mal bei uns in der von Lichtsmog verseuchten Umgebung unseres Wohnortes geniessen. Autsch, hat aber heute sehr viele Mücken auf  der Tour. Muss mich trotz Hitze sehr gut im Schlafsack einmummeln.

Zeit 5 Std. 41 Min.
Gesamtrangliste nach Tag 2 / Rang 28

 
Bis 51° Cellsius

Montag, 26.10.
3. Etappe, gestaffelter Start. Meine Startzeit 07.30 Uhr

40 km / 4 Check Points (CP)

Ich habe mich von Tag 1 zu Tag 2 um 10 Ränge verbessert. Da darf ich heute als Belohnung (oder Strafe) erst um 07.30 Uhr Starten. Laufe locker los aber bei einem Rucksack Gewicht von immer noch ca. 9 kg geht das gar nicht so einfach. Vor allem wenn es leicht hoch geht. Birgit die Deutsche, 2. Rang bei den Frauen 2012, überholt mich gleich. Das wird schwierig heute, wollte ja eigentlich mal etwas schneller laufen als in den beiden vorangegangenen Tagen. Trotzdem finde ich aber schnell einen guten Rhythmus und bald ist Birgit hinter mir und wird es bis zum Schluss der Etappe auch bleiben. So bin ich am Ende des Tages mal schnellster deutschsprechender Läufer. Von den 3 Deutschen, 2 Österreicher und mir sind, sowieso die Hälfte bereits ausgeschieden. Ambros, Birgit und ich halten noch die Stellung. Vor CP2 hole ich Ambros ein der eine halbe Stunde vor mir gestartet ist. Aber Achtung, jetzt wird es langsam wieder verdammt heiss und die Sonne (43° im Schatten), knallt runter dass es einem den letzten Schweiss aus dem Körper treibt. Immer Trinken sage ich mir. Solange man noch Wasser lassen kann ist es gut. Wenn das nicht mehr geht wird’s langsam sehr kritisch. Diese Regel kennt jeder Läufer und sie kann das sichere Ende des Laufes bedeuten. Das heisst, man wird im schlimmsten Fall mit einer Fusion nochmals aufgepäppelt (Salz und Elektrohyde) aber beim zweiten mal wäre es das dann gewesen, Disqualifikation und Rennausschluss. Am CP3 treffe ich Josef der am ersten Tag leider aufgeben musste. Er hilft mir beim Flaschenauffüllen, beim herrichten der Verpflegung, und wo es halt erforderlich ist. Auch bei den CP`s sollte man schauen, dass man nicht zu viel Zeit vertrödelt. Daher ist eine gute Vorbereitung jeweils vor dem Start sehr wichtig. Salztabletten auf dieser Seite, die Gels links oben oder in der Seitentasche, usw. Ich finde das eine sehr schöne Gesten wenn einem andere Läufer oder auch der Staff behilflich sind, denn es ist nicht leicht für einen Läufer wenn man ausgeschieden ist, sich noch irgendwie am Rennen zu beteiligen. Danke Josef und auch allen anderen für diese Unterstützung. Am CP4 treffe ich Stefan der auch bereits am ersten Tag aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste. Er ist selber Veranstalter einer Läuferserie in Kambodscha, Sri Lanka und Bhutan. Wir unterhalten uns und ich könnte mir gut vorstellen mal bei ihm an einem Event mitzumachen. Bhutan würde mich sehr reizen mit 220 km an 6 Tagen und über 10`000 Höhenmeter sicher ein toller Lauf und für uns Bergler sicher etwas was im Bereich des Möglichen liegt. Seine Freundin, Teresa, eine Frau aus Hongkong läuft sehr gut und konstant. Ich werde in den nächsten Tagen noch einen guten Lauf mit ihr zusammen haben. Der letzte Teil von CP4 bis ins Ziel wird nun wieder ganz hart. Temperatur um die 50° und nirgends ist der Oranje River zu sehen wo wir wiederum unser Camp haben werden. Ruhig bleiben und jetzt auf den letzten paar km nur nicht die Nerven verlieren. Es wird kommen das Ziel, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Und plötzlich sehe ich unser Camp. Zieleinlauf und die obligatorischen drei (4.5 lt.)Wasserflaschen fassen und dann erst mal ausruhen. Pro Tag hat jeder Läufer 9 Liter Wasser zugute. Diese werden jeweils an den CP`s und dann der Rest im Ziel abgegeben. Es gab aber auch schon extra Rationen in den letzten Tagen. Die Wettersituation ist dementsprechend heikel und der Veranstalter hat absolut kein Interesse, dass noch mehr Läufer ausscheiden werden. Nach meinem obligaten Proteinshake geht’s erstmals ins Wasser zur Abkühlung und dann nach der Massage zum Doktor um die ersten Blasen aufstechen zu lassen. Bin  sehr froh, dass auch Ambros wieder gut ins Ziel eingelaufen ist. Ein vierer Zelt nur für mich wäre nun doch etwas zu grosszügig und mit Ambros zusammen macht es auch viel mehr Spass.
Jetzt hoffe ich auf eine gute Nacht, denn morgen steht der absolute Höhepunkt mit 81 km an. Es ist Vollmond und eine super Stimmung mit diesem tollen Sternenhimmel. Man merkt aber auch den Respekt der Läufer vor der morgigen Aufgabe. Es ist ruhig und es werden merklich weniger Sprüche und Witze geklopft als an den Vortagen.  Im Gesamtklassement habe ich mich um einen Platz auf den 27. Rang verbessert. Das ist insgesamt mehr als ich zu Beginn erhoffen durfte. Anthony hat heute seinen schwarzen Peter gezogen. Er war gar nicht gut unterwegs ist aber immer noch um gut eine Stunde vor mir. Ihn werde ich kaum mehr einholen.

Zeit 6 Std. 08 Min.
Gesamtrangliste nach Tag 3 / Rang 27

 
Wie ich sie liebe diese Gels...

Dienstag, 27.10.
4. Etappe, gestaffelter Start ab 06.30 Uhr. Meine Startzeit 10.00 Uhr
81 km / 10 Check Points (CP)


Nach einer guten und erholsamen Nacht ist um 05.00 Uhr Tagwache. Jetzt beginnt das allmorgendliche Ritual. Jeder hat so sein Konzept mit der Verpflegung. Ich genehmige mir zuerst einen Peronin Drink. Der soll vor allem Kohlenhydrate zuführen und natürlich auch sättigen. Anschliessend gibt’s den üblichen Kartoffelstock. Lecker diesmal mit Broccoli. Dies schmeckt mir viel besser als die süssen Mueslis welche ich vor vier Jahren am Marathon des Sables zu mir genommen habe. Während den Tagesetappen kommen zudem noch viel Gels und Riegel dazu. Das ist wirklich genug an Süssem. Ich kann das Zeugs nach einer solchen Veranstaltung wochenlang nicht mehr schmecken bzw. essen.
Morgentoilette, Rucksack ist gepackt und dann bin ich eigentlich bereit zum starten. Nur eben, ich komme erst um 10 Uhr dran und jetzt um 06.30 Uhr startet gerade die erste Gruppe von Läufern. Die Staffelungen sind aus folgendem Grunde so gemacht, damit besonders bei den langen Etappen auch die Spitzenläufer in die Nacht hinein laufen müssen. Ansonsten wäre das nicht ganz fair wenn die einen nur Tag`s und die anderen mit den erschwerten Sichtbedingungen auch noch Nacht`s durch die Wüste irren müssen. Das Spitzenteam wird also erst um 13 Uhr starten. 6 ½ Stunden nach den ersten und auch noch drei Stunden nach mir.
Die Zelte werden abgebrochen und uns wird ein Platz auf einer Plache im Schatten zur Verfügung gestellt. So oder so, es ist logistisch eine gewaltige Herausforderung für die Organisation, das Lager jeden Tag wieder abzubrechen, zu verschieben und an einem anderen Ort aufzubauen. Und jeden Tag war es so, dass die ersten welche ins Ziel eingelaufen sind sofort wieder in ihr Haus schlüpfen konnten nach der Rückkehr. Zu bedenken ist auch, dass jeweils auf der Strecke, so z.B. wie heute noch 10 CP bereit stehen müssen. Was heisst, dass es überall genügend Wasser hat und ein Medical Team ist dann jeweils auch noch vor Ort.
Eines hat sich heute zu den ersten Etappen bereits verändert. Keine Gruppe wird am Start mehr mit Vollgas loslaufen, abgesehen vom Spritzentrio. Alle gehen den Beginn gemütlich im Laufschritt an.
So, endlich werden wir zum Start aufgerufen. Wir sind eine sechser Gruppe. 2 Italo, 1 SA, 1 French, 1 Deutsche und ich als weiterhin und definitive einziger Schweizer Vertreter. Gut gelaunt schiessen wir noch ein Startfoto und dann geht’s los. Es ist jetzt aber bereits schon wieder sehr heiss, schätze so gegen 38°- 40°C. Zu Beginn wird noch gequatscht und dann bilden sich auch schon die ersten kleineren Grüppchen und jeder versucht nun sein Tempo und Rhythmus zu finden. Wollte eigentlich mit Gill dem Franzosen zusammen laufen aber der legt ein Tempo vor, so dass ich gleich passen muss. Ambros ist bereits eine Stunde vor mir gestartet und ich denke oft wo er jetzt nun bereits sein wir und ob es ihm gut geht. Aber er ist ein erfahrener Läufer und er wird sich an die Hitze anpassen auch wenn er wie er mir sagte unheimlichen Respekt vor dieser Monsteretappe hat. Aber wer hat das schon nicht.....
Nach dem Start geht es gleich in ein enges Tal und die Wärme hat sich da voll eingespeichert. Zudem ist es extrem sandig und somit wieder sehr schwer zu laufen. Der erste CP wird erst nach 8,5 km kommen. Also gut auf den Wasservorrat aufpassen und immer nur ganz kleine Schlucke trinken. Geschafft CP1 ist in Sichtweite. Ich treffe hier einzelne Läufer an und solche die bereits länger vor mir gestartet sind liegen irgendwo unter einem Sonnenschirm und versuchen sich etwas zu erholen. Chapmann ein Engländer mit 61 Jahren, ich glaube 11 maliger Teilnehmer dieses Rennens, liegt wie ein geschlagener Hund im Schatten des Medical Autos. Das kann ja bruttalo werden. Erst einen zehntel der ganzen Strecke geschafft. Entsande meine Füsse und trinke genug. Die Wasserabgabe wird nun aber etwas grosszügiger sein als die jeweils 1,5 Liter welche wir von CP zu CP zu gute haben. Auch der nächste CP kommt erst nach gut 8,5 km und so mache ich mich wieder auf den Weg. Sage mir es bringt ja nichts länger Pause zu machen, gehen muss ich ja so oder so irgend wann. Bin jetzt alleine unterwegs und ab und zu überholt mich ein Läufer oder ich überhole jemanden. Man grüsst sich kurz und wünscht einander viel Glück. Jetzt wird’s aber hart. Die Temperaturen sind bereits bei etwa 45° und das Laufen und auch Atmen wird nun langsam ganz schwierig. Ich versuche mit Bildern im Kopf, guten Gedanken und Wünschen meine Motivation aufrecht zu erhalten aber das ist nun nicht mehr ganz so einfach. Man entwickelt in solchen Situationen auch eine ganz eigene Lauftechnik. Die Wege im Sand sind nun  von den vorfahrenden Autos und Läufern ausgetreten. Da ist es aber am schwierigsten zu Laufen weil sich die Schritte im Sand sehr tief eingraben. Meine Technik ist deshalb immer ganz links oder rechts vom Weg zu gehen. Da ist die Sandfläche noch etwas härter und man sinkt nicht so tief ein. Aber leider funktioniert das auch nicht immer wie gewünscht. Übrigens mein neuer Rucksack den ich mir für diesen Trip gekauft habe sitzt perfekt. Ich werde keine einzige Blase oder Scheuerstelle am Rücken und an den Schultern bis zum Schluss vorfinden. Ist mehrfach getestet von Wüstenläufern. Den Gepäckinhalt, besser gesagt das Gewicht dass man rumträgt entscheidet aber immer noch jeder selber. Wie gesagt, zum Start war meiner ohne Wasserflaschen ca. 11 kg. Einzelne haben ihr Sortiment so gestrafft, dass sie bei 8 oder 8,5 kg loslaufen konnten. Auch ich habe mich in den letzten Stunden vor dem Start von einigen Utensilien noch getrennt. Wieso zwei Ersatz T-Shirts. Eines tut’s auch. Auch beim Food hab ich knallhart nochmals optimiert. Das kann aber im schlimmsten Falle auch die falsche Entscheidung gewesen sein. We will see! Jedenfalls kann ich heute schon sagen, dass ich bei zukünftigen Läufen noch Potential habe und das sicher dann auch umsetzten werde. Jedes halbe Kilo mehr oder weniger kann entscheidend sein. Mindestens bei den Profis aber da bin ich ja definitiv nicht mehr vorzufinden.
Nachdem ich mich an CP2 etwas erholt habe mache ich mich weiter auf die Socken aber nun macht es definitive keinen Spass mehr und ich frage mich hunderte male warum ich mir das eigentlich an tue und dafür auch noch bezahle. Mein Gott, was hätte ich dafür gegeben wenn ich jetzt in meinem Büro sitzen könnte und eine Richtlinie oder ein kleines Konzeptchen, es darf auch etwas zu RSO sein, schreiben oder Studieren dürfte. Sicher nicht meine bevorzugten Aufgaben aber immerhin noch viel besser als das was mir jetzt blüht. Werde nun noch von Birgit und einer andren Spitzenläuferin eingeholt aber ich kann nicht mehr nachsetzten. Stelle aber auch fest, dass beide am oberen Limit wie ich angekommen sind. Jetzt heisst es einfach nur bis zum nächsten CP durchbeissen und dann irgendwie weiterschauen. Ich bin nun in etwa in der Hälfte von CP2 und CP3. Etwa hundert Meter vor mir sehe ich einen grossen Baum der etwas Schatten wirft. Es ist jetzt 15 Uhr und die Sonne knallt runter was das Zeugs hält. Später erfahre ich, dass es über 52° heiss war.
Ich nehme mir vor vorerst beim Baum mich in den Schatten zu setzten und wenn es sein muss eine längere nicht vorgesehenen Pause einzulegen. Von Nik dem Ami werde ich da aber bereits empfangen. Die gleiche Idee hatte nicht nur ich sondern wir waren jetzt zu sechst und somit wurde es  mit dem Schatten auch bereits wieder knapp. Von den anderen erfahre ich nun, dass die Rennleitung das Rennen eben neutralisiert und mind. für zwei Stunden gestoppt hat. Keiner darf nun mehr weiterlaufen. Somit legen wir uns hin, ziehen die Schuhe aus und machen es uns bequem. Ich sage zu Nik und den anderen ob sie den Song von ACDC kennen. “Highway to hell“. So fühle ich mich im Moment. Es dauert nur ein paar Minuten und der modernen Technik sei Dank, spielt Nik auf seinem Handy den Song ab. Wir haben alle sehr grosse Freude und alle Lachen ausgiebig darüber und singen den Text mit. Die Organisation muss nun auf Hochtouren arbeiten und irgendwann kommt ein Ranger aus der Gegend vorbei der aufgeboten wurde und bringt uns einen fünf Liter Kanister Wasser. Er sagt uns, dass wir bald Infos bekommen wie es weiter geht. Und tatsächlich so nach ca. 2 Stunden kommen sie uns abholen und bringen uns an einen Sammelplatz wo wir im Schatten auf einen alten Bus warten müssen der uns ins nächste Camp bringen wird. Nun ist eingetroffen was schon seit Tagen möglich gewesen wäre. Das Rennen, bzw. die heutige Königsetappe wurde abgebrochen. Sicher ein richtiger Entscheid. Die Gefahr, dass ein grösseres Unglück bei dieser Hitze passieren könnte war eindeutig zu gross. Zudem gibt es in Südafrika ein Gesetzt das besagt, dass bei Temperaturen über 45° keine Sportveranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Der Entscheid wird von allen ohne Kommentar begrüsst und wir sind froh nun wieder in sicherer Umgebung zu sein. Es wäre nicht mehr lange gegangen und einige, es kann jeden treffen, hätten dehydriert. Wie ich später erfahren werde ist Ambros bereits bei CP1 aus dem Rennen gestiegen. Die Hitze war zu gross für ihn. Ich respektiere diesen Entscheid und er zeigt das grosse Verantwortungsbewusstsein von ihm, nicht bis zum Letzten zu gehen. Ich weiss wirklich nicht ob es bei mir noch lange gedauert hätte, bis ich auch zu diesem Entscheid gekommen wäre. Bei Abbruch des Rennens war ich bei km 23. Der Rücktransport dauert nun so seine Zeit bis alle an den verschiedenen Punkten in den Bus aufgeladen werden und wir noch gut 50 km durch die Wüste gefahren sind. Das Lager liegt zum Glück wieder am Oranje River. Jeder macht sich nun sein Essen und schon bald sind alle im Schlafsack verschwunden und machen sich so ihre Gedanken zum vergangenen Tag. Ich denke noch zurück an CP2 als mit eine Helferin folgendes afrikanisches Sprichwort auf den  Weg mitgegeben hat. “Bit the elefant step by step“ Iss den Elefanten Stück um Stück. Will heissen immer eines nach dem anderen dann kommt es schon gut. Nur so nebenbei, dass sollten wir uns in unseren hektischen und überorganisierten Welt doch öfter auch vornehmen. Denn Schlussendlich ist es doch so, it is like it is! So schlafe ich dann ein. Bin dankbar, dass nichts passiert ist aber auch etwas traurig über den Abbruch.

Zeit 6 Std. 05 Min. dann Rennabbruch
Gesamtrangliste nach Tag 4 / Rang 27
 

Mittwoch, 28.10.
5. Etappe, Ruhetag (so war’s wenigstens geplant)
gestaffelter Start ab 19.20 Uhr. Meine Startzeit 19.40 Uhr
47 km / 5 Check Points (CP)


Nachdem ich eine relativ gute Nacht verbracht habe steht uns nun ein  Ruhetag zur Verfügung. Wir Campieren an einem wunderbaren Flecken am Oranje River und schlagen uns den Tag mit Faulenzen, Massage und Regeneration um die Ohren. Ich laufe ein paar Meter aus dem Camp und finde einen tollen Platz direkt am Wasser. Unglücklicherweise rutsche ich auf einem nassen Felsen aus und falle hin. Der Kanadier der die gleiche Idee hatte wie ich sieht das und rennt sofort auf mich zu. Zum Glück es ist nichts passiert. Bin etwas nass ab sonst OK. Auf dem Rückweg bemerke ich dann, dass ich meine Sonnenbrille nicht mehr habe. Laufe nochmals zurück aber keine Chance. Beim Sturz ist sie ins Wasser gefallen und mit der Strömung auf und davon. Das ist natürlich etwas doof für mich. Es stehen noch zwei Etappen an und ohne Sonnenbrille wird das ein grösseres Problem werden. Eine Läuferin (Kanadierin) bietet mir dann aber ihre Reservebrille an falls ich sie möchte. Wenigstens etwas. Warten wir mal ab wie sich das ganze noch entwickelt. Wir wissen ja immer noch nicht wie es weiter geht, wenn überhaupt. Die Temperaturen sind auch für die nächsten Tage auf Höchstwerte eingestellt. Also über 45°  und die Gefahr besteht sogar, dass das ganze Rennen abgebrochen wird.
Eine erste Info erreicht uns dann gegen Mittag. Möglicherweise findet der nächste Start morgen so gegen 04.00 Uhr statt. Das wäre gar nicht so schlecht. Bei 47 km wären wir dann so gegen Nachmittag wider im Camp. Aber wie es so ist, was im Hintergrund alles nötig ist um sich auf diese spezielle Situation einzustellen wissen wir ja nicht. Gegen 15 Uhr heisst es dann plötzlich, dass noch diesen Abend die Etappe  als Nachtlauf  stattfinden wird. Grundsätzlich ist das ja gut aber mit der Ernährung haben wir uns jetzt schon anders eingestellt. Kurz gesagt wir haben noch 3-4 Stunden Zeit uns neu zu Verpflegen und auf den Lauf einzustellen. Für mich kein grösseres Problem freue ich mich doch sehr darauf in der Nacht zu laufen. Zudem ist es eine Nacht nach Vollmond und so wird die Strecke gut ausgeleuchtet sein.  Bevor wir aber zum Start kommen ist noch etwas Arbeit angesagt. Wir laufen ca. 300 Meter dem Fluss entlang und da wo ich meine Sonnenbrille verloren haben müssen wir uns mit Schwimmweste in ein Kanu setzten und auf die andere Seite rüber rudern. Mal etwas für die Arme und nicht nur für die Beine. Hat Spass gemacht obwohl ich bereits einen Schuh voll Wasser rausgezogen habe. So muss ich halt nochmals die Socken wechseln damit ich trocken loslaufen kann. Die erste Gruppe wird um 19.20 Uhr auf die Strecke geschickt und ich mit der zweiten, um 19.40 Uhr. Zuerst geht es auf einer Schotterstrasse (Hauptstrasse) rund 4 km geradeaus. Eigentlich richtig zum Einlaufen und sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Trotz fast Vollmond ist eine Stirnlampe unumgänglich. Dann geht’s links ab und in ein sehr sandiges Flussbeet. Das Laufen darin kennen wir ja. Hier ist aber der Sand besonders locker und tief und es macht grösste Mühe so weiterzukommen. Zudem ist es auch nicht gerade Kühl. Etwa 35°, ist aber besser als 15° mehr am Tage. Ich finde mich immer besser zurecht, und jetzt auf dem felsigen schottrigen Abschnitt läuft es mir sogar bestens. Kommt mir sicher auch entgegen, dass es nun etwas hoch geht. Die Schweizer Voralpen lassen grüssen. Und schon sind wir beim CP1. Es hat viele Läufer hier und das erstaunt mich doch sehr. Ich nehme Wasser und einen Gel zu mir und will weiterlaufen da bemerke ich erst, dass das Rennen wieder neutralisiert ist. Was ist den jetzt los wo ich gerade in ein Hoch gekommen bin. Später erfahre ich, dass der Streckenmarkierer nicht so schnell nach kommt die Strecke zu markieren. Nach ca. 40 Min. Pause geht es dann in 5 Min. Abständen los. Endlich, nach 30 Min. nach nach der ersten Gruppe laufe ich in einer fünfer Gruppe los. Setzte mich gleich an die Spitze und ab von den anderen. Nur eine Läuferin Teresa aus Hongkong holt mich ein und zieht gleich weiter. Da hänge ich mich lieber nicht an obwohl ich gerne mit ihr zusammen gelaufen wäre. Ist ja nicht zu verachten in einer tollen Vollmondnacht mit einer hübschen Lady etwas zu spazieren! Unser Abstand beträgt immer ca. 100 Meter zueinander und plötzlich laufe ich auf sie auf. Die nächsten ca. 15 km werden wir nun zusammen laufen. Wir ergänzen uns gut. Obwohl ich mich nach CP2 etwas zurückfallen lasse schliesse ich wieder zu ihr auf. Ich glaube, nein ich bin sicher ihr hat es auch besser gefallen mit mir zu laufen und wie gesagt zu zweit macht es mehr Spass. Ab jetzt bin ich es der das Tempo vorgibt aber wir ergänzen uns weiterhin sehr gut. Wir bleiben zusammen bis zum CP3, übrigens in der Nacht ist es nicht mehr nötig einen Pause an den jeweiligen CP’s einzulegen. Flaschen auffüllen und weiter. Jetzt mache ich noch etwas mehr Tempo da es mir ausgezeichnet läuft und Teresa mag nun nicht mehr mit halten. Dafür überholt mich Drikie. Diese Frau ist wirklich super drauf. Läuft ungemein leichtfüssig und konstant. Ich schätze sie wenig jünger ein als ich aber sicher auch schon über fünfzig. Versuche gar nicht an ihr dranzubleiben. Habe jetzt richtig Freude zu laufen wenn es so gut geht und ich fühle mich momentan in einem richtigen High. Die Strecke ist eine hin- und zurück Strecke. Am Kopf gibt es eine grosse Schlaufe. Dazu noch eine kleine Anekdote. Der führende Engländer Nathan läuft bereits aus der Schlaufe raus und ist sichtlich erstaunt, dass ihm ein Läufer (Italiener) entgegenkommt. Hat wie alle nicht damit gerechnet dass die schnelleren den langsameren entgegenlaufen. Also fragt er den Italo ganz erstaunt. Where are you coming? Dieser ist so erstaunt über die Frage und antwortet: From ITALY. Die Frage war natürlich anders rum gemeint. Über diese Episode wurde noch Tage danach herzhaft gelacht.
Seit dem ersten Tag an hat sich ein Spitzentrio herauskristallisiert mit Mamut einem Türken und Vorjahressieger, dem Engländer Nathan und einem dritten Läufer Namens Hylton aus SA. Ab dem dritten Tag waren dann nur noch Mamut und Nathan im Spitzenfeld und haben sich einen tollen Zweikampf geliefert. Und Hut ab immer fair und korrekt zueinander.
Ich bin jetzt auch schon weit über die Schlaufe hinaus und gut unterwegs Richtung Camp. Bei CP4 laufe ich auf  Drieki auf und lass sie gleich stehen. Ebenso überhole ich Ducan und einen weiteren Läufer und diese spenden mir dabei spontan Applaus für meinen Effort. Für mich heisst das, dass ich ganz vorne dabei bin und schon viele Läufer die nach dem Break vor mir gestartet sind überholt habe. Jetzt nur nicht einbrechen denke ich, das wäre nach diesem bisherigen Verlauf fatal. Zwischen CP4 und CP5 überhole ich Anthony, der ist mega erstaunt ist er doch gut 20 Min. vor mir losgelaufen. Jetzt merke ich dass heute etwas drin liegt und ich im Gesamtklassement in die Nähe von Anthony kommen kann. Diese Chance will ich natürlich packen, denn so schnell kommt diese Möglichkeit sicher nicht mehr.
Nach CP5 nehme ich meinen letzten Gel und hoffe schwer, dass dieser mich noch bis ins Ziel tragen wird.
Die nächsten 3 km sind wie auf dem Hinweg extrem schwer zu laufen. Plötzlich überholt mich der SA Hylton der im Gesamtklassement Dritte. Da bin ich schon erstaunt, dass ich vor ihm bin. Wie sich aber herausstellt und ich habe nicht falsch gesehen habe ich ihn bei der Sanität gesehen und sie haben seinen Blutdruck gemessen. War wohl auch für ihn etwas anstrengend in den letzten Tagen. Bin aber froh ist er noch im Rennen ist und weitermachen konnte. Mit dem Spitzen Duo hatte er aber schon vor diesem Start nichts mehr zu tun.
Auch bei mir wird es jetzt langsam schwierig. Zurück auf der Strasse und den letzten 4 km sehe ich hinter mir zwei Lichter die immer näher kommen und mich dann auch einholen. Es ist Drieki und ein anderer Läufer. Ich muss den Hut ziehen wie diese Frau konstant wie ein Motor läuft. Ich bin jetzt ziemlich auf den Felgen schaffe es aber doch noch mich an die beiden anzuhängen. Gemeinsam laufen wir dann nach über 7 Stunden ins Ziel. Welchen Rang ich gemacht habe weiss ich im Moment nicht aber es sind nicht mehr als ca. 15 Läufer vor mir angekommen. Jetzt heisst es auch noch zurück ins Camp und das würde  ja soviel bedeuten wie, dass wir wieder ein Stück zurückrudern müssten!!! Aber zum Glück gibt es ein kleines Gummiboot mir Aussenmotor. Bin ich froh, das hätte ich kaum mehr geschafft. Es ist jetzt 3 Uhr früh und ich nehme nur noch kurz einen Proteindrink und ein Bad im Fluss und dann ab ins Bett.  Bin überglücklich mit meinem Lauf und in der Tabelle bin ich vom 27. auf den 21. Gesamtrang vorgerückt. Ich schlafe sofort ein und höre nicht mehr wie die anderen in den folgenden Stunden zurückkommen.

Zeit 7 Std. 08 Min. dann Rennabbruch
Gesamtrangliste nach Tag 5 / Rang 21 / Tagesrang 12

 
On the road

Donnerstag, 29.10.
Ruhetag

Heute ist offizieller Ruhetag nur mit Ausschlafen wird es auch diesen Morgen nichts. Bin froh mindestens bis 7 Uhr gepennt zu haben. Jetzt knallt die Sonne schon früh runter und es ist mega heiss im Zelt. Auch draussen und Schatten findet sich nur sehr wenig. Wir verbringen den Tag mit rumhängen, Essen, Entspannen und um ca. 12 Uhr kommt das Massageteam für die wohlverdiente Entspannungstherapie. Das ist eine tolle Abwechslung. Bin jetzt auch ganz alleine im Zelt seit mich auch noch Ambros verlassen hat. Um 09.45 Uhr diesen Morgen kommen dann auch noch meine Freunde aus Pretoria als letzte ins Ziel. Spontan erhalten sie tosenden Applaus. Eine super Leistung die sie da hingelegt haben. Erstaunlicherweise laufen die immer als dreier Team zusammen und kommen auch immer gemeinsam ins Ziel.
Das Medical Team lässt heute auf sich warten und erscheint erst gegen 16 Uhr im Camp. Ist auch dringend nötig für die doch nun mehreren Blasen und Bobos. Habe eine mega Blase an der Verse eingefangen. Das wir höllisch Schmerzen bei der letzten Etappe.
Heute gibt es nochmal E-Mail Post von zuhause. Nadia ist erstaunt wie viele Mails sie für mich ausdrucken musste. Habe glaub ich den Tagesrekord gebrochen. Zuhause haben sie nicht sehr viele mitbekommen von den letzten Tagen. Wer nicht auf Facebook ist konnte mit den Infos auf der Homepage nichts anfangen. Das habe ich auch an den Mails gemerkt. So gegen 18 Uhr kommt dann der Race Direktor noch ins Camp und gibt uns die letzten Informationen für den morgigen Abschlusstag. Da wieder die Gefahr bestand dass das Rennen wegen der angesagten grossen Hitze annulliert werden musste hat sich die Rennleitung entschieden anstelle des vorgesehenen 25 km Laufes diesen auf 10 km zu verkürzen. Start bereits um 7 und für die zweite Gruppe um 7.30 Uhr. So umgeht man einen möglichen Abbruch.
Ich esse nun meine letzten Vorräte und merke dass für den morgigen Start nichts mehr passendes vorhanden ist. Kein Kartoffelstock.....nein!!!! Habe anscheinend doch etwas zu viel ausgepackt im letzten Moment. Aber diese 10 km schaffe ich sicher auch so noch ohne grösseres Frühstück.
 
6 Tage, alles im Rucksack dabei
 
Freitag, 30.10.
6. Etappe, 2 Gruppen Start um 07.00 Uhr und um 07.30 Uhr  bin, in der 2. Gruppe
10 km / 1 Check Point (CP)

Die Nacht war nicht eben sehr erholsam. Habe ca. 3 Stunden geschlafen und sonst mich immer von einer auf die andere Seite gewälzt. Jedenfalls war`s eine traumhafte Nacht mit einem unglaublichen Sternenhimmel. Habe mich extra so hingelegt. Dass ich mit dem Kopf ausserhalb des Zeltes war und den Himmel beobachten konnte. Ich weiss ja nicht wann ich das zum nächste mal wieder erleben werde. Die Blasen drücken und ich kann die rechte hintere Ferse kaum ablegen so schmerzhaft ist das. Eigentlich bin ich aber mit meinen paar kleineren Blasen noch sehr gut bedient wenn ich da zurück an den MDS (Marathon des Sables) denke. Der Unruhige Schlaf kommt aber auch sicher daher, dass die letzte Etappe anstand. Man weiss, dass man es eigentlich fast geschafft hat, trotzdem sind noch zehn Kilometer zu laufen und jeder Läufer weiss, dass auch auf so einer Strecke etwas dazwischenkommen kann. Ich nehme mir innerlich vor, nochmals richtig Vollgas zu geben. Müsste ja eigentlich zu schaffen sein. Der Rucksack ist fast leer und wiegt noch ca. einen viertel vom Anfangsgewicht. Das Frühstück fällt bei mir heute etwas knapper aus. Habe nämlich kein Food mehr dh. den letzten  Gel will ich mir nun wirklich nicht schon zum Frühstück reinziehen. So esse ich noch ein paar Nüsse und genehmige mir meinen letzten Vanille Peronin Drink. Gibt besseres aber was soll`s.
Und auf geht’s zur letzten Etappe “at home”. Merke gleich das dass eine sehr anstrengende Sache werden wird. Bis km 5 geht’s noch dann bin ich vollkommen leer und will gerade ins Laufen verfallen. Da kommt meine Freundin Drieki von hinten und lässt mich natürlich gar nicht aufgeben. Das war wirklich sehr lieb von ihr. Sie rennt besser gesagt sie zieht mich  bis ins Ziel neben sich her und muntert mich ständig auf nicht aufzugeben. Und dann taucht die Lodge auf wo wir am ersten Tag losgelaufen sind. Endlich, ich schaffe es.
Mit übergrosser Freude laufe ich mit den beiden anderen über die Ziellinie. Josef, Ambros und die anderen bereits eingetroffenen Läufer und etliche Angehörige feuern uns an und bejubeln uns.

I did it!!!!!

Nathan der Sieger

Und dann bricht alles über mir zusammen. Wer mich kennt weiss ja, dass ich meine Emotionen immer unter Kontrolle halten kann und mir auch in schwierigsten Momenten nichts anmerken lasse. Aber das war für mich zu viel. Ich bin in Tränen ausgebrochen und konnte nichts dagegen machen. Der Renndirektor und seine Frau Nadia haben mich getröstet und dann ist etwas passiert was ich mein Leben lang nie mehr vergessen werde. Nathan Montague der Sieger kommt zu mir und nimmt mich in die Arme, das war einer der schönsten Moment des ganzen Laufes für mich und danach ging es mir wieder viel besser. Das zeigt das Menschlichkeit und Respekt zu jederzeit in unserer Szene respektiert und gelebt werden. Danke vielmals.
Das von einer Fotografin geschossene Bild von uns zwei wird als eines der besten Bilder dieses Events  auserkoren. Später kam die Dame die es gemacht hat  zu mir und hat sich bedank für dieses tolle Bild. Natürlich habe ich das nicht extra gemacht aber in solchen Momenten kann alles passieren auch ungeplant. Jetzt konnte ich bei Bier und Süssgetränken den frühen Morgen mit allen anderen noch voll geniessen. Wir haben uns in den Pool gestürzt und Bier und Mineral getrunken als hätten wir Monatelang nichts mehr bekommen. Um 11 Uhr gabs dann noch ein tolles Fingerfood Buffet. Da haben wir zugeschlagen wie die Wilden. Erst um 14 Uhr konnten wir die Zimmer beziehen und haben uns dann sofort unter die heiss ersehnte Dusche gestellt. Anthony hat mir dabei den Vortritt gelassen weil ich ihn zum Schluss noch um etwas 6 Min geschlagen habe. Wobei mein Rückstand auf ihn mal mehr als eine Stunde betrug.  Er wird 22. ich behalten den 21. Rang in der Gesamtwertung. Bei den Männern werde ich sogar 15. Die beiden Oldies haben sich gut verkauft.
Abends gab es dann noch ein tolles Buffet am gleichen Ort wie an den ersten beiden Tagen vor dem Lauf. In einem offenen Zelt unter dem Sternenhimmel. Es war eine entspannte, Tolle und ausgelassene Stimmung und man hat allen angemerkt dass sie froh waren dieses Abenteuer gesund überstanden zu haben.
Von den 70 gestarteten Läufern haben schlussendlich 54 das Ziel nach 7 Tagen erreicht. Zudem ist es in der Geschichte des KAEM diesmal zum ersten mal zu einem Abbruch einer Etappe gekommen. Aber eben alles kann bei so einem Event passieren.

Zeit 1 Std. 02 Min.
Gesamt- und Schlussrang nach Tag 6 / Rang 21 / Männer 15

 

 
Samstag, 31.10.
Tag nach dem Rennen

Puh, diese Nacht war wirklich nicht das gelbe vom Ei. Eigentlich hätten wir jetzt in Ruhe und entspannt schlafen können aber Anthony ging es wie mir. Einschlafen ging, aber nach zwei Stunden um 1 Uhr Nachts war es vorbei. Irgendwie fehlte der Sand, der Wind, der Sternenhimmel und es war extrem stickig im Zimmer. Aber die Klimaanlage einzustellen getraute ich mich nicht. Will ja nicht die nächsten Tage flach liegen. Also waren wir beide um 5.30 Uhr hellwach. Ich konnte so bereits meine Fotos der vergangenen Woche runterladen. Um 07.30 gabs dann ein gutes Frühstück, etwas reichhaltiger als die letzten Tage. Anthony fährt mich dann ins nächste Dorf damit ich am Bankomaten etwas Geld abheben kann. Gestern Abend war das leider nicht möglich, da all die Einheimischen meterlang vor dem Automaten standen. Es war Freitagabend und Zahltag. Leider wird dieser dann sehr schnell in Alkohol umgewandelt und man sieht viele Menschen, die sogar noch am anderen morgen Betrunken sind. Ein grosses Problem. Wir holen Susanne, Anthonys Frau im Volontier Camp ab und fahren dann ca. 20 km auf der Hauptstrasse Richtung Westküste. Da gibt’s einen tollen Souvenirstand. Zurück im Camp nehmen die Beiden mich mit auf eine Autofahrt durch den Nationalpark. Wir sehen, Kudus, Springböcke, Klippspringer und eine ganze Gruppe Giraffen. Wunderschön, das war ein toller Morgen und ich habe schon einige Tiere gesehen. Mittag gibt’s einen Hambi und dann schreibe ich noch etwas an meinem Tagebuch. Es ist immer noch heiss aber bei weitem nicht mehr so wie die letzten Tage. Um 16.30 Uhr ist dann Besammlung und wir fahren zur uns bekannten Lodge, dem Hauptquartier der Rennleitung und des Staff. Die Siegerehrung ist eine tolle Sache. Jeder der den Lauf gefinisht hat erhält einen Leoparden aus Glas. Jeds Exemplar ist handgemacht und ein Unikat.  Es herrscht eine tolle Stimmung und alle sind glücklich und zufrieden mit ihrem Ergebnis. Ich bin happy mit meinem 21. Rang im Gesamtklassement und bei den Männern bin ich 15. Werden etwas später dann die Ergebnisse noch etwas genauer anschauen. Als Preis erhält jeder noch einen USB Stick mit den Bildern der vergangenen Tage.
Vor dem Buffet wird natürlich noch das Rugby Finale geschaut. Leider ohne SA. Neuseeland gewinnt gegen Australien und ist damit Weltmeister. Konnte mich in den letzten Wochen auch etwas mit diesem Spiel befassen. Gefällt mir eigentlich sehr gut. Vor allem die klaren Regeln (es gibt viele und ich verstehe eigentlich keine) und dass gegen den Schiedsrichter nicht reklamiert wird gefällt mir zudem sehr gut.
Zum Schluss des Abends sehen wir noch den Film über den Lauf. Ich bin sogar auch ein paar mal auf dem Film und einmal applaudieren alle Zuschauer mir sogar zu. Ein wirklich toller und würdiger Sieger ist Nathan Montague. Es war für mich eine Ehre mit ihm zu Laufen. Aber auch alle anderen Teilnehmer waren super Kameraden und Kameradinnen.
Abschliessend kann ich sagen es war ein wunderbarer und abwechslungsreicher Lauf und das Wort “Extrem“ hat dieses mal voll gepasst. Es gab Momente da war ich super drauf. z.B. am 4. Lauftag (Nachtlauf) mit meiner besten Platzierung 12. Rang. Am letzten Tag bei nur 10 km war ich dann total im Elend. Das ist aber auch irgendwie das spannende an unserem Sport. Hochs wechselt Tiefs ab und immer muss man selber dafür besorgt sein um aus der Situation wieder rauszufinden und in die Gegenrichtung zu wirken. Ich bin mir absolut sicher, dass ich durch diese und andere Erfahrungen für das Leben selber wieder einiges dazu gelernt habe.
Und zum Abschluss möchte ich mich doch noch korrigieren.  Ich bin nachdiesem tollen Abenteuer nun doch  felsenfest davon überzeugt, dass ich doch lieber die Variante “Rennen“ bevorzuge als Konzepte schreiben. Sorry!
 




Sonntag, 1.11.
Abschied nehmen


Irgendwann höre ich in dieser Nacht, es muss so gegen 3 Uhr früh gewesen sein, dass Anthony nach Hause kommt und versucht sich ohne grossen Lärm ins Bett zu legen. Er hat anscheinend gestern mit seinen Kollegen noch etwas länger gefeiert.
Um 6 Uhr früh ist für mich Tagwache und ich packe meine ganzen Utensilien zusammen. Duften ja herrlich meine Wüstenkleider. Muss unbedingt noch in einem der nächsten Hotels meine Wäsche waschen lassen. So lassen sie mich ja auf gar keinen Fall in die Schweiz rein.
Nach dem Frühstück verabschieden sich bereits die ersten die mit eigenem Auto angefahren sind. Auch Nadia und Etienne, die Rennleitung, winken uns zum Abschied noch zu. Ein wunderbares Team. Sie haben diesen Lauf gegründet und über die Jahre stetig weiterentwickelt. Eine grossartige Leistung die viel Manpower und Ausdauer benötigt.
Wir werden mit dem Bus an den Flughafen von Upington gebracht. Da bin ich doch erst gerade ausgestiegen. Es ist schon erstaunlich wie schnell die zehn Tage verstrichen sind.
Josef und Ambros fliegen praktisch gleichzeitig wie ich ab nur machen sie in Cape Town noch einen Tag Zwischenhalt. Waren tolle und liebe Freunde die ich hier kennengelernt habe. Hat richtig Spass gemacht mit Ihnen. Dank ihrem Markenzeichen der Österreichischen Flagge die Ambros immer mitgetragen hat während dem Rennen, werde ich mich sicher noch lange an sie beide zurückerinnern. In Johannesburg heisst es dann auch noch vom Rest der Truppe Abschied nehmen. Wie es so ist, man verspricht sich dass man sich sicher an einem nächsten Rennen oder sogar in einem Jahr an gleicher Stelle wieder sehen wird. Hoffentlich, wäre wirklich schön und in meiner Planung ist der KAEM für nächstes Jahr schon eingeplant.